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Konzept Kinderbürgermeister

News aus Bramsche

Konzept „Kinderbürgermeister“ der Stadtjugendpflege erhält Auszeichnung

Innovatives Beteiligungsmodell wird mit „KinderHabenRechtePreis“ bedacht

Eine Information der Stadt Bramsche / Fotos: Stadtjugendpflege Bramsche

Kinderbürgermeister Bramsche
Sie alle kandidierten für das Amt des Kinderbürgermeisters: Ole, Sebastian, Nele, Emma und Leni.

Bramsche Große Freude beim Team der Stadtjugendpflege Bramsche: Der 2. Platz des vom Niedersächsischen Landesverband des Deutschen Kinderhilfswerks ausgelobten „KinderHabenRechtePreises“ geht in diesem Jahr in die Hasestadt. Die Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert, die vom Preisträger zweckgebunden für bestehende oder zukünftige Aktivitäten zur Bekanntmachung der Kinderrechte eingesetzt werden müssen.

„Wir sind sehr glücklich über die Auszeichnung und freuen uns über die Wertschätzung unserer Arbeit und Ideen genauso wie über das Preisgeld“, betont Stadtjugendpflegerin Stefanie Uhlenkamp stellvertretend für ihr gesamtes Team. Die Kinderbürgermeisterwahl gebe es bereits seit 2014 im Rahmen der Ferienbetreuung. „Die Kinder sind wirklich mit Begeisterung, aber auch mit großem Ernst dabei. Sie lernen so schon wichtige demokratische Grundprinzipien kennen und üben, sich für die eigenen Wünsche einzusetzen“, erläutert Uhlenkamp.

Die Preisverleihung findet im September in Hannover statt und das Team der Stadtjugendpflege hofft, dass auch der Kinderbürgermeister Ole zur Delegation gehören kann. Er wurde übrigens, gemeinsam mit seinem Co-Bürgermeister Leonard nach 2016 in diesen Ferien wiedergewählt. Die diesjährige Wahl fand am Freitag, den 28. Juli statt und wurde auch von der Pressestelle der Stadtverwaltung interessiert begleitet.

 

Zwischen Wahlurne, Spielplatz und Stimmzettel – Die Wahl zum Kinderbürgermeister

Eine Reportage von Julia-Marie Kramer

Wahlplakate sind in der Mitte der Aula in der Meyerhofschule aufgestellt worden, an der Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift „Heute: Wahltag“ und über allem liegt aufgeregtes Stimmengewirr. Vor allem die Frage „Wisst ihr schon, wen ihr wählen wollt?“ ertönt immer wieder, ein kleines Mädchen rät ihrer noch unentschlossenen Freundin: „Guck mal auf das Wahlplakat, der will ganz viele Turniere veranstalten.“ Über 50 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bilden in der Aula der Meyerhofschule vor dem improvisierten Wahlbüro der Stadtjugendpflege eine lange Schlange und warten ungeduldig auf die Eröffnung der Wahl.

Kinderbürgermeister Bramsche
Die Kandidatinnen und Kandidaten warben mit Wahlplakaten um Stimmen.
Kinderbürgermeister Bramsche
Die Kinder stehen an, um ihre Stimmzettel in Empfang zu nehmen.
Kinderbürgermeister Bramsche
Eine echte Wahlurne stand für die Abgabe der Stimmzettel bereit.

Es ist Freitag und für die Kinder der Stadtjugendpflege damit ein ganz besonderer Tag: Der neue Kinderbürgermeister muss gewählt werden. Nach einer Amtszeit von einem Jahr ist der amtierende Bürgermeister Ole davon überzeugt, seine Sache gut gemacht zu haben und möchte erneut antreten. Wie im vergangenen Jahr allerdings nicht alleine, sondern mit Freund Leonard im Team, der am Wahltag allerdings nicht anwesend sein kann. Aber die Konkurrenz ist stark: Sebastian hat sich ebenfalls aufstellen lassen und hofft nach einer Niederlage im letzten Jahr auf einen Sieg. Dreifache Frauenpower bringen Emma, Leni und Nele mit, die sich als „Team ELN“ ebenfalls gute Chancen auf den Bürgermeister-Posten ausrechnen.

Bereits im Vorfeld der Wahl haben die Kandidaten individuelle Wahlplakate entworfen und werben darauf mit der Veranstaltung von zahlreichen Sportturnieren und der Vorbereitung von Ausflügen. Ole und Leonard wollen ihren Wählern zudem eine Ostereiersuche ermöglichen und versprechen: „Ihr dürft mitbestimmen!“. Sebastian lockt auf seinem Plakat mit Kinobesuchen und einer Punktesuche, „ELN“ dagegen bieten Basteln an und erklären: „Wir wollen, dass alle Spaß haben!“. Vor allem kurz vor der Wahl werden die Plakate aller Kandidaten dann nochmal genau unter die Lupe genommen und von Unentschlossenen nach Inhalt und Aussehen bewertet.

Eine Stunde vor der Wahl steht für die Kandidaten dann die erste Prüfung auf dem Programm: Sie müssen sich vor allen Kindern und Betreuern den Fragen stellen, die am Tag zuvor gesammelt wurden. Die Beantwortung der drei vorbereiteten Fragen erfolgt dabei in verabredeter Reihenfolge, um die Fairness zu wahren. Im Kreis sitzend eröffnet die Betreuerin Sabrina Bendig die Runde mit den Worten „Der große Tag ist nun gekommen“ und ergänzt: „Alles ist möglich.“ Der zuvor bestimmte Wahlleiter Jan-Lukas leitet anschließend mit einem „Hallo liebe Kandidaten!“ die Fragerunde ein.

Auf die erste Frage „Was würdest du tun, wenn du bei einem Streit um Hilfe gebeten wirst?“ muss Sebastian als erster antworten, ihm folgen „Team ELN“ und Ole. Alle Kandidaten sind sich einig, dass zunächst Betreuer hinzugezogen werden sollten. Sei dies nicht möglich, müsse man „versuchen, den Streit zu klären und zwar so, dass beide Parteien damit einverstanden sind“, erklären „ELN“, Ole und Sebastian.

Nachdem diese Frage zur Zufriedenheit aller Wähler beantwortet wurde, liest Jan-Lukas die zweite Frage vor: „Was würdet ihr tun, wenn sich jemand etwas wünschen würde, das man kaufen kann?“ Auch hier herrscht weitgehend Einigkeit über das Vorgehen. Ole antwortet am ausführlichsten und betont, dass die Anzahl der Kinder, von denen der Wunsch geteilt wird und der Preis entscheidend für die Anschaffung seien. Die dritte Frage schließlich zielt auf das Angebot von Sportturnieren ab. Handball, Zombieball, Indian Dodge und Basketball dominieren hier die Antworten und wieder ist es Ole, der ergänzend hinzufügt, dass er die Kinder zudem nach ihren eigenen Wünschen fragen würde. Die Kandidaten werden mit Applaus und Jubel belohnt und eine Betreuerin schließt mit den Worten: „Damit haben sich die Kandidaten sehr gut und überzeugend den Fragen gestellt.“

Vor der anschließenden Wahl erläutert die Leiterin der Stadtjugendpflege, Stefanie Uhlenkamp, allen anwesenden Kindern nochmal den Ablauf der Wahl und betont die Ungültigkeit einer Stimme bei mehreren Kreuzen, Zeichnungen oder schriftlichen Botschaften auf dem Papier. „Hilfestellung bei der Wahl bekommt ihr auf Antrag“, gibt sie den Wählerinnen und Wählern mit auf den Weg.

 

Stimmen vor der Wahl

Kurz vor der Wahl sitzt Ole mit seinen Freunden in der Aula zusammen und wartet auf die Eröffnung des Wahlbüros. 45 bis 50 Prozent Gewinnchancen rechnet er sich aus und glaubt: „Ich werde gewählt, weil die anderen ja schon wissen, was ich so mache.“ Kritik muss er sich allerdings von „Team ELN“ gefallen lassen, die auf dem Schulhof der Wahl entgegenfiebern. „Wir wollen mehr Turniere veranstalten, weil wir finden, dass Ole zu wenig gemacht hat“, erklären sie einstimmig. Auch aus diesem Grund glauben sie, dass sie gegen die Konkurrenz gute Karten haben. Positiv sieht auch Sebastian der Wahl entgegen und wähnt sich mit „60 Prozent Gewinnchancen“ auf einem guten Weg, Bürgermeister zu werden.

An einer objektiven Einschätzung versucht sich ein blondes Mädchen an der Tischtennisplatte: „Ich glaube, dass Ole die besten Chancen hat, weil der bisher eigentlich ganz gut war. Es wäre aber auch schön, wenn Sebastian gewinnt, weil der letztes Jahr schon wollte.“ Ihre Freundin ergänzt: „Ole und ELN sind sehr stark und haben beide gute Ideen. Aber Ole hat mehr Erfahrung.“

Die Wahl

Um 10:15 Uhr ist es dann endlich soweit: Das Wahlbüro der Stadtjugendpflege öffnet in der Aula der Meyerhofschule seine Wahlkabinen. Wahlberechtigt sind nur Kinder, wer am Wahltag nicht zugegen ist, kann die Möglichkeit der Briefwahl nutzen. Stefanie Uhlenkamp erklärt: „Die Briefwahl wurde durchaus von einigen Kindern wahrgenommen, die Mehrheit wird aber heute vor Ort ihre Stimme abgeben.“

Jeder Wähler wird von Jan-Lukas in seiner Funktion als Wahlleiter auf einer Liste abgehakt, anschließend wird der orangefarbene Stimmzettel feierlich übergeben. Unter Beobachtung aller Kinder wird die Stimme dann nach dem Besuch der Wahlkabine in die versiegelte Wahlurne geworfen. „Die Kinder sollen hier schon mal spielerisch die demokratischen Strukturen kennenlernen und sehen, wie so eine Wahl abläuft, auch im Hinblick auf die spätere Wahlbeteiligung“, erläutert Stefanie Uhlenkamp. „Das Kinderrecht auf Beteiligung spielt bei uns eine große Rolle und soll mit der Wahl eines Kinderbürgermeisters und der Ausübung seines Amtes ermöglicht werden. Und vielleicht wird das Engagement der Kinder dann ja auch später im Jugendparlament weiter fortgeführt.“ Sie wird vom Betreuer Richard Keib unterbrochen, der laut verkündet: „Das Wahllokal schließt in einer Minute!“

Die anschließende Auszählung der Stimmen erfolgt unter Aufsicht eines Betreuers und wird von vertrauenswürdigen, älteren Kindern übernommen, die sich dabei bis zur Ergebnisverkündigung zur absoluten Verschwiegenheit verpflichten.

„Der neue Kinderbürgermeister oder die neue Kinderbürgermeisterin ist…“

Kinderbürgermeister Bramsche
In großer Runde erläuterten die Kandidatinnen und Kandidaten, wofür sie sich als Kinderbürgermeister einsetzen würden.

Die Stimmen sind ausgezählt, die Kandidaten sitzen aufgeregt inmitten der anderen Kinder in der Aula in einem Kreis und warten gespannt auf die Ergebnisse. Doch bevor diese verkündet werden, soll mit einem selbst vorbereiteten Radiobeitrag das Thema „Kinderrechte“ vertieft werden. Für Antenne Meyerhof ist deshalb Wähler Lennard auf Stimmenfang gegangen und hat sich nach dem wichtigsten Kinderrecht erkundigt. Die Antworten reichen von „kein Kind darf benachteiligt werden“ über „Kinder sollen Spaß haben“ bis „Schutz auf der Flucht“ oder „das Recht auf Schulbildung“.

Mit dem Recht auf Beteiligung schlägt Stefanie Uhlenkamp wieder den Bogen zur Wahl des neuen Kinderbürgermeisters und betont: „Egal, wer heute für das nächste Jahr Bürgermeister wird, es ist ganz toll, dass ihr euch aufgestellt und engagiert habt. Seid nicht traurig, wenn das nichts wird, es ist super, dass das so viele Leute machen wollten und ihr könnt euch natürlich auch ohne das Amt des Bürgermeisters weiter einbringen.“ Sie dankt dem Wahlvorstand und den Wahlhelfern für ihr geleistetes Engagement und Applaus brandet auf.

Und dann ist der große Moment endlich gekommen. In der Aula herrscht gespannte Stille, als zwei Vertreter der Stimmenauszähler aufstehen und das Ergebnis verkünden. „Und der neue Kinderbürgermeister oder die die neue Kinderbürgermeisterin ist…Trommelwirbel!“ Alle Kinder trommeln mit den Händen und Füßen auf den Boden, um aber sofort wieder zu verstummen. „…Ole und Leonard!“ Applaus und Jubel bricht los und Ole als frischgebackener Kinderbürgermeister kann sein Glück kaum fassen. Er erhebt sich und wendet sich an die Kinder: „Ich freue mich sehr, dass ich wieder Kinderbürgermeister mit Leonard bin. Und danke für eure Stimmen!“

Auf der anschließenden Wahlparty im Garten der Stadtjugendpflege fehlen Ole die Worte: „Es ist so cool, dass ich wieder Kinderbürgermeister bin“, lächelt er und stellt sich in der Bratwürstchen-Schlange an. Die erste Amtshandlung „wird wahrscheinlich ein Turnier“, meint er noch, bevor er unter Gelächter von anderen Kindern umringt wird und alle bei Würstchen und Kuchen in ausgelassener Stimmung feiern.

Kinderbürgermeister Bramsche
Bei der Wahlparty im Schrebergarten der Stadtjugendpflege gab es Würstchen vom Grill.